Parser-Schwachstellen in Mobilfunk-Protokollen


AV: A15 Status: Aktiv Thread Level: High Auswirkungen: Integrität, Verfügbarkeit, Geräteabsturz Voraussetzung/Distanz: Remote Funk

Veröffentlicht: 08.07.2026 Aktualisiert: 23.07.2026

Parser-Schwachstellen in Mobilfunk-Protokollen betreffen die Verarbeitung speziell präparierter Signalisierungsnachrichten in LTE- und 5G-Netzen. Fehler in der Parser-Logik können Abstürze auslösen und im Einzelfall weitergehende Angriffe auf Netzkomponenten oder Basisband-Implementierungen ermöglichen.

MITRE ATT&CK

T1203 – Exploitation for Client Execution (T1203)

Matrix: Mobile

Taktik: Execution (TA0002)

Technik: Exploitation for Client Execution



Details:

Viele Mobilfunkangriffe zielen nicht nur auf Kryptografie, sondern auf die Parser-Logik von Protokollnachrichten. Bereits einzelne fehlerhafte oder unerwartete Felder in NAS-/S1AP-/NGAP-Nachrichten können durch unzureichende Längen-, Typ- oder Zustandsprüfungen zu Abstürzen oder im Einzelfall zu weitergehenden Kompromittierungen führen [1].

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass solche Parsing-Schwachstellen über verschiedene LTE/5G-Implementierungen hinweg auftreten können und sowohl Verfügbarkeit als auch Integrität der Mobilfunkinfrastruktur gefährden [2].


Quellen: RANsacked: LTE-/5G-Core-Schwachstellen
Quellen: RANsacked: technische Analyse von LTE-/5G-Core-Schwachstellen
Technischer Standard: ETSI TS 138 413 – NG-RAN; NG Application Protocol (NGAP)
Technischer Standard: ETSI TS 136 413 – E-UTRAN; S1 Application Protocol (S1AP)
Technischer Standard: ETSI TS 124 301 – Non-Access-Stratum (NAS) protocol for E-UTRAN




Erkennung:

Für Endnutzer sind Parsing-Angriffe häufig nur indirekt sichtbar: wiederkehrende, lokale Netzabbrüche, ungewöhnliche Nichtverfügbarkeit von Telefonie/Daten oder stark schwankendes Netzverhalten ohne ersichtlichen Grund.

Auf Betreiberseite weisen plötzliche Prozessabstürze, gehäufte Fehlermeldungen bei Protokolldecodierung und reproduzierbare Fehler bei bestimmten Nachrichtentypen auf parsernahe Schwachstellen hin. Eine belastbare Erkennung erfordert strukturierte Log- und Protokollanalyse.




Gegenmaßnahmen:

Die wirksamsten Gegenmaßnahmen sind robuste Eingabevalidierung und defensives Parsen: strikte Längen- und Typprüfungen, sichere Fehlerbehandlung ohne Assertions im Produktivpfad, sowie systematisches Fuzzing und Regressionstests für Protokollparser.

Zusätzlich helfen gestufte Rollouts von Patches, enges Monitoring kritischer Protokollpfade und Architekturmaßnahmen, die den Schaden einzelner Parserfehler begrenzen. In Hochrisiko-Umgebungen sollten parserbezogene Testfälle kontinuierlich in den Betriebsprozess integriert werden.










Weitere Vektoren aus dem Bereich

LTE Protokolle und Schwachstellen

Immer mehr Schwachstellen im LTE-Protokoll werden bekannt. Diese ermöglichen sich als ein anderer Nutzer oder auch als eine LTE Basisstation auszugeben. Ähnliche Schwachstellen gibt es schon immer in 2G (GSM)

WiFi/WLAN

Eine mit WEP geschützte Verbindung ist innerhalb weniger Sekunden entschlüsselt. Aber auch WPA/WPA2 ist nicht mehr sicher. Sogar auf den neuen Standard WPA3 gibt es erste Angriffsszenarien. 

Unverschlüsselte Datenverbindung

Bei der Datenverbindung (ps) wird zwischen dem Endgerät  und der SGSN im Kern-Netz verschlüsselt. Nicht zwischen BTS und Endgerät wie es bei einer cs-Verbindung der Fall ist. 

Verschlüsselung GEA/x (ps)

Passives Abhören auf der Luftschnittstelle ist auch bei der Datenverbindung möglich. (ps = paketvermittelt)GEA/1, GEA/2, GEA/3