"Location Leaks" im SS7-Protokoll


AV: F04 Status: Aktiv Thread Level: Medium Auswirkungen: Tracking, Ortung Voraussetzung/Distanz: Remote Internet

Veröffentlicht: 12.03.2013 Aktualisiert: 23.07.2026

„Location Leaks“ im SS7-Protokoll beschreibt einen ortsbezogenen Angriff, bei dem Standortinformationen nicht direkt am Smartphone, sondern über Netzdienste und Signalisierung ausgelesen werden. Der Vektor ist damit besonders relevant, wenn ein Angreifer Zugriff auf providernahe Infrastruktur oder entsprechende Signalisierungswege hat.

Im Kern wird dabei nicht das Gerät selbst verändert, sondern die Netzreaktion auf Anrufe, Paging und SS7-Abfragen ausgenutzt. Dadurch kann ein Angreifer die aktuelle Cell-ID oder ähnliche Standortinformationen ermitteln und das Gerät so indirekt lokalisieren.

MITRE ATT&CK

T1430 – Location Tracking (T1430)

Matrix: Mobile

Taktik: Collection; Discovery (TA0035; TA0032)

Technik: Location Tracking

Auf MITRE ATT&CK ansehen


Details:

Um von außen auf diese Informationen zugreifen zu können, ohne das Smartphone manipulieren zu müssen, gibt es mehrere alternative Ansätze. Ein klassischer Weg ist das Abhören des Paging Channel (PCCH), wenn das Zielgerät an einem bestimmten Ort vermutet wird. Auch Messengerdienste wie WhatsApp, Telegram oder Facebook können Paging auf der Basisstation auslösen. Sogar bei LTE kann dieses Verfahren angewendet werden.

Das Signalling System No. 7 kann außerdem direkt zur Ortung benutzt werden. Dazu wird der Request MAP_SEND_ROUTING_INFO_FOR_SM an das Kernnetz des Providers gesendet, das den aktuellen Aufenthaltsort kennen muss. Ein entsprechender Angriff wurde bereits 2008 im Umfeld des 25. CCC beschrieben; spätere Arbeiten zeigen, dass ähnliche Ansätze auch in LTE-Netzen funktionieren.




Quellen/Links:

[1] Denis Foo Kune, John Koelndorfer, Nicholas Hopper, Yongdae Kim
„Location Leaks on the GSM Air Interface“, 2012 
PDF öffnen (users.cs.umn.edu)

[2] Practical Attacks Against Privacy and Availability in 4G/LTE Mobile Communication Systems, 2016

[3] Tobias Engel, „Locating Mobile Phones using SS7”, 2008, 25th CCC
Link (events.ccc.de) Youtube Clip: Locating Mobile Phones using SS7 [25c3] 

[4] User Location Tracking Attacks for LTE Networks Using the Interworking Functionality, 2016




Erkennung:

Eine Erkennung am Smartphone ist nicht möglich. Der Angriff spielt sich im Netz beziehungsweise bei providerseitigen Signalisierungswegen ab, sodass Nutzer am Gerät selbst in der Regel keine belastbaren Anzeichen sehen.

Erkennbar wird der Vektor eher auf Betreiber- oder Analystenseite, etwa durch ungewöhnliche SS7-Anfragen, auffällige Paging-Muster oder verdächtige Standortabfragen ohne passende Nutzerinteraktion. Dort lassen sich wiederholte Abfragen und die Korrelation von Anruf- oder Messaging-Ereignissen mit Standortbewegungen auswerten.




Gegenmaßnahmen:

Am Smartphone selbst sind nur begrenzte Gegenmaßnahmen möglich. Hilfreich ist es, unnötige Funk- und Messenger-Aktivität zu reduzieren, Standortdienste restriktiv zu verwenden und das Gerät aktuell zu halten. Ein vollständiger Schutz gegen providernahe Standortabfragen lässt sich auf dem Endgerät aber nicht erzwingen.

Wer Gegenmaßnahmen ergreifen kann, sind vor allem Betreiber und Sicherheitsverantwortliche im Netz. Dort helfen strengere SS7-Filtern, Monitoring auf ungewöhnliche Routing- und Paging-Anfragen sowie organisatorische Sperren gegen unberechtigte Standortabfragen. Je weniger freie Signalisierungswege im Kernnetz offen sind, desto geringer ist die Angriffsfläche.










Weitere Vektoren aus dem Bereich

Lokalisation durch Unique-IDs

Die Ortung über eindeutig zuweisbare Kennungen wie IMSI, IMEI/MEID sowie WLAN- und Bluetooth-IDs ist ein lokaler Angriffsvektor, der ohne Infrastruktur des Providers auskommt. Mit geeigneter Funk- und Auswertehardware kann ein

Lokalisierung über den Stromverbrauch

Bei diesem Vektor wird der Standort nicht direkt über GPS, sondern über den Stromverbrauch des Smartphones abgeleitet. Das Verfahren nutzt charakteristische Muster im Energiebedarf, die bei Bewegung und Funkwechseln entstehen

Assisted GPS (A-GPS)

Um den Standort des ME möglichst schnell und genau mittels GPS zu ermitteln, benötigen Smartphones die Unterstützung (assistance) durch den Mobilfunk Provider oder einem Positioning Server. 

IP Geo-Location

IP Geo-Location beschreibt die Standortbestimmung eines Smartphones über seine IP-Adresse. Der Vektor funktioniert unabhängig davon, ob GPS deaktiviert ist, und kann dadurch auch dann noch eine grobe geografische Zuordnung liefern,